Was ist Lerntherapie?


Kinder mit Lern­schwächen oder Lern­störun­gen haben oft jahre­lang schuli­schen Miss­erfolg erfahren und infolge­dessen auch Proble­me zu Hause. Die Haus­auf­gaben wer­den zu einer fa­mi­liären und nervli­chen Heraus­forderung. Oft­mals wer­den Kon­zentra­tions­proble­me oder Lern­schwächen wie z.B. Lese-, Recht­schreib- oder Rechen­schwäche schon in der Grund­schule be­merkt. Je früher das Kind mit einer Lern­förderung be­ginnt, umso besser sind seine Chan­cen, bis zur weiter­führen­den Schule diese Defi­zite mit Lern­metho­den oder Lern­strategien aus­glei­chen zu können.

In der system­ischen Lern­thera­pie wird ein indivi­duell auf das Kind und seine Bedürf­nisse zuge­schnit­tenes Therapie­pro­gramm ent­wickelt, das sich nicht aus­schließlich auf die Verbes­serung der schuli­schen Noten kon­zen­triert, son­dern das Kind im System sieht. Das be­deutet, dass die seeli­sche Befind­lich­keit des Kindes be­rücksich­tigt wird und die schulische sowie die häus­liche Situa­tion mit in den individuellen lern­therapeu­tischen Lern­prozess inte­griert wird. Dazu ge­hören auch regel­mäßige Ge­spräche mit El­tern und Lehrern des Kindes.
Ein wichti­ger As­pekt der system­ischen Lern­thera­pie ist die gute und ver­trau­te Be­ziehungs­arbeit zwi­schen Lern­thera­peut und Kind. Das ist die Grund­voraus­setz­ung da­für, dass das Kind be­reit ist, neue Lern­metho­den und Lern­strate­gien zu er­ler­nen.

Ziel einer syste­mischen Lern­therapie ist, das oft gestör­te Selbst­wert­gefühl des Kindes wieder aufzu­bauen, die Inter­essen und Bega­bun­gen des Kindes zu för­dern, die Lern­proble­me des Kin­des zu ent­decken und Lern-, Konzen­tra­tions- und Be­ruhigungs­stra­tegien zu ent­wickeln. Posi­tive Lern­erfahr­ungen sol­len das Kind zu­dem dabei unter­stützen, wieder handlungs­fähig zu werden.

Lern­schwäche jetzt bedeu­tet nicht Lern­schwäche für immer. Wenn das Kind - und die Eltern - dies ver­stan­den haben, dann ist schon ein sehr wichti­ger Schritt getan. Als Bei­spiele dafür kön­nen Persön­lich­keiten aus der Ge­schich­te und aus der Gegen­wart her­ange­zogen werden.


 

Was ist der Unter­schied zwischen Nach­hilfe und Lern­thera­pie?


Wenn Ihr Kind den Lern­stoff in der Schule nicht ver­steht oder den An­schluss an den Lernstand seiner Klasse verpasst hat, ist natürlich die erste Reaktion der Eltern, zu Hause mit dem Kind zu lernen. Wer sich gerne an seine eigene Schulzeit erinnert oder wer sich selbst für die „Problemfächer“ des Kindes interessiert, macht das gerne. Ha­ben El­tern aber selbst schon nega­tive Lern­erfahrun­gen in der ei­gen­en Schul­zeit gemacht oder Pro­ble­me mit dem Erklären, ist es sinn­voll, das Kind zur Nach­hilfe zu schicken. Oft ler­nen Kin­der auch leich­ter mit einer Per­son, die ihnen nicht so nahe steht wie die ei­genen El­tern. Es führt zu einer häus­lichen Ent­las­tung, wenn das Kind zu je­man­den geht, der ge­dul­dig und gut den Lern­stoff erklären kann.
Manch­mal reicht der Nach­hilfe­unter­richt aber nicht aus, weil das Kind evtl. grund­legen­de, aber nicht un­be­dingt offen­sicht­liche Pro­bleme hat, die den El­tern und Nach­hilfe­lehrern nicht be­kannt oder be­wusst sind. Lern­thera­pie hilft Kin­dern, die spe­zielle Defi­zite haben oder de­nen wesent­liche Lern­voraus­setzun­gen fehl­en.

 

In welchen Fällen ist reguläre Nach­hilfe aus­rei­chend?


Der Nach­hilfe­unter­richt hilft Kin­dern und Jugend­lichen, die den aktuel­len Schul­stoff nicht ver­stan­den haben oder ihre Schul­noten im Zeug­nis ver­bessern möchten. Basis der Nach­hilfe sind die Schul­bücher, Auf­zeichnun­gen aus dem Unter­richt und die vom Lehrer er­teil­ten Haus­auf­gaben.
Im Fol­gen­den fin­den Sie eine Liste mit Fragen. Wenn Sie eine oder mehrere davon mit Ja be­ant­wor­ten können, kommt Nach­hilfe für Ihr Kind in Frage.


Checkliste: Wann reicht Nachhilfe aus?


- Hat Ihr Kind auf­grund von lan­ger Fehl­zeit in der Schule viel Lern­stoff verpasst?
- Benö­tigt Ihr Kind viel Zeit für die Haus­auf­gaben?
- Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind mit einem älteren Kind oder einem Lehrer besser lernen würde?
- Möchte Ihr Kind seine Noten ver­bessern?
- Ist Ihr Kind ver­setzungs­ge­fährdet, ohne dass eine Lern­schwäche oder Lern­störung im Bereich des Lesens, Schrei­bens oder Rech­nens festgestellt wurde?

 


In welchen Fällen ist Lerntherapie notwendig?


Lern­therapie richtet sich an Kinder, die große Proble­me mit Lesen, Schrei­ben und/oder Rech­nen haben. Das Pro­blem muss sich nicht nur in einem Fach be­merk­bar machen, son­dern kann auch in anderen Fächern für schlech­te No­ten ver­antwort­lich sein. Hat z.B. ein Kind eine Lese­schwäche, kann sich das auch auf Mathematik (Text­aufgaben), Sach­kunde oder andere Neben­fächer aus­wirken. Oft hat sich bei diesen Schülern eine Ver­weigerungs­hal­tung gegen­über bestimmten Schul­fächern ein­ge­stellt oder sogar eine Prüfungs­angst ent­wickelt.
In der Lern­therapie müssen oft zunächst die Grund­lagen neu erlernt werden, bevor man sich dem aktuellen Lern­stoff aus der Schule widmen kann. Ziel der Lern­thera­pie ist, dem Kind mit Hilfe seines ganz in­divi­duellen Lern­therapie­plans eigene Lern-, Kon­zentra­tions- und bei Be­darf Beruhi­gungs­strate­gien zu ver­mit­teln. Jede Therapie­stunde wird hin­sicht­lich der indivi­duellen Be­dürf­nisse des Kin­des ge­plant und im Nach­hinein doku­men­tiert. Deshalb be­nö­tigt der Lern­thera­peut auch sehr viel mehr Zeit für die Vor- und Nach­be­rei­tung einer Lern­thera­pie­stunde als ein Nach­hilfe­lehrer für seine Nach­hilfe­stunde. Diese inten­sive Vor- und Nach­berei­tungs­zeit ist der Grund dafür, wes­halb eine Stun­de Lern­thera­pie mehr Geld kos­tet als eine Stunde Nach­hilfe­unter­richt.


Checkliste: Wann wird Lern­thera­pie emp­fohlen?


- Bekommt Ihr Kind schon seit län­gerer Zeit Nach­hilfe­unter­richt und es macht sich nicht in den Noten be­merk­bar?
- Nimmt die Haus­aufgaben­situation zu viel Zeit in An­spruch oder belas­tet sie sogar Ihre Be­ziehung zu Ihrem Kind?
- Wurde bei Ihrem Kind eine Lese-, Recht­schreib- oder Rechen­schwäche diagnosti­ziert?
- Hat die Schule Sie ange­sprochen, weil Ihr Kind deutlich hin­ter dem Lern­stand seiner Klassen­kame­raden liegt?
- Verweigert Ihr Kind in die Schule zu ge­hen oder zu ler­nen, weil es er­neut schulische Nieder­lagen fürch­tet?

 

LRS/Legas­thenie:


Die Unter­schei­dung von Lese-/Recht­schreib­schwäche (LRS) und Lese-/Recht­schreib­störung (Legas­thenie) wird von Fach­leuten und Ärz­ten auf­grund der unter­schied­lichen Ur­sachen ge­trof­fen. Die Lese-/Recht­schreib­störung (Legas­thenie) hat ihre Ur­sache häufig in den Genen und kann daher ver­erb­bar sein. Die Lese-/Recht­schreib­schwäche (LRS) hin­gegen kann ver­schiedene Ur­sachen haben: Ent­wicklungsd­efizite, falsche Lern­methoden, längere Krank­heit (längerer Schul­ausfall), Ein­schränkun­gen im Seh- oder Hör­ver­mögen, trauma­tische Erleb­nisse, familiäre Pro­bleme o. Ä.. Manche Kinder brauchen ein­fach mehr Zeit zum Erler­nen der Schrifts­prache, so wie andere Kin­der z.B. länger brau­chen, um Laufen zu ler­nen. Es muss nicht immer ein großes Problem hinter einer Lern­schwäche stecken.